Es gibt eine Frau

ES GIBT EINE FRAU. Gegen die Zerstörung der Natur. Österreich, Wien
WORTE DER ZAPATISTISCHEN GEMEINDEN ANLÄSSLICH DES MARSCHES GEGEN DIE ZERSTÖRUNG DER NATUR.

In Wien, Österreich. Mit der Stimme der compañera Libertad, am 24. September 2021.

Guten Tag.

Das ist unser kleines Wort in einer kleinen Geschichte:
Es gibt eine Frau.
Es ist egal, welche Hautfarbe sie hat, denn sie hat alle Farben.
Es ist egal, welche Sprache sie spricht, denn sie hört alle Sprachen.
Es ist egal, welche Ethnie und Kultur sie hat, denn in ihr haben alle Formen Platz.
Es ist egal, wie groß sie ist, denn sie ist groß und passt dennoch in eine Hand.

Jeden Tag und jede Stunde wird diese Frau geschändet, geschlagen, verwundet, vergewaltigt, verspottet, verhöhnt.
Ein Macho übt seine Macht über sie aus.

Jeden Tag und jede Stunde kommt sie zu uns, zu uns, zu uns.
Sie zeigt uns ihre Wunden, ihre Schmerzen und ihren Kummer.
Und wir geben ihr nur Worte des Trostes und des Mitleids.
Oder wir ignorieren sie.
Vielleicht geben wir ihr etwas als Almosen, um ihre Wunden zu heilen.

Aber der Macho fährt mit seiner Gewalt fort.
Wir und Sie wissen, wie es enden wird.
Sie wird getötet werden und mit ihrem Tod wird alles sterben.

Wir können damit weitermachen, ihr nur Worte der Ermutigung und Medizin für ihre Leiden zu geben.
Oder wir können ihr die Wahrheit sagen: Die einzige Medizin, die sie vollständig heilen kann, besteht darin, dem, der sie vergewaltigt, entgegen zu treten und ihn zu vernichten.
Und wir können uns ihr auch konsequent anschließen und an ihrer Seite kämpfen.

Wir, die zapatistischen Bevölkerungen, nennen diese Frau: „Mutter Erde“.

Dem Macho, der sie unterdrückt und demütigt, könnt ihr den Namen, das Gesicht und die Gestalt geben, die ihr wollt.

Wir, die zapatistischen Bevölkerungen, geben diesem mörderischen Macho einen Namen: Kapitalismus.

Und wir sind bis in diese Geografien gekommen, um euch zu fragen.
Werden wir fortfahren zu denken, dass die Schläge von heute mit Salben und Schmerzmitteln behandelt werden können, obwohl wir wissen, dass morgen die Wunde noch größer und tiefer sein wird?

Oder werden wir gemeinsam mit ihr kämpfen?

Wir, die zapatistischen Gemeinden, haben beschlossen, gemeinsam mit ihr, durch sie und für sie zu kämpfen.
Das ist alles, was wir euch sagen können.

Vielen Dank, dass ihr uns zugehört habt.
Wien, Österreich, Europa, Planet Erde.

  1. September 2021.