Was wir wissen (1-6)

(6) Was wir bisher wissen

Die Zapatistas wollen
– in den Monaten Juli, August, September und Oktober 2021 nach Europa kommen.
– am 13. August 2021 in Madrid eintreffen und danach den Weg fortsetzen.
– mit 120 Zapatistas nach Europa kommen, in der Mehrzahl Frauen, begleitet von 40 Leuten aus dem CNI und der Frente de los Pueblos
Um „Treffen, Gespräche, Austausch von Ideen, Erfahrungen, Analysen und Einschätzungen durchzuführen…“

Die Zapas werden
– begleitet von Delegierten des Regierungsrats des Indigenen
Nationalkongresses (CNI-CIG)
– und von Leuten aus der Front für die Verteidigung von Wasser und Land in Morelos, Puebla und Tlaxcala (Frente de Pueblos en Defensa del Agua y de la Tierra de Morelos, Puebla y Tlaxcala).

Das Netzwerk der Europäischen Unterstützer*innen
– besteht aus hunderten von Gruppen, Kollektiven und Individuen
– aus den folgenden Ländern und Regionen (in der Reihenfolge der „Erklärung für das Leben“):
Griechenland, Deutschland, Frankreich, Baskenland, Österreich, Belgien, Bulgarien, Katalonien, Zypern, Dänemark, Schottland, Slowakei, Slowenien, europaweiten Organisationen, Finnland, Niederlande, England, Kanarische Inseln, Norwegen, Polen, Portugal, Großbritannien, Tschechien, Russland, Samen, Schweden, Schweiz, Türkei, Ukraine, Spanien, Italien
– hilft dabei mit, die Reise in Europa logistisch und finanziell zu
ermöglichen.

(5) Am 1. Jänner 2021

kommt es zu einer Erklärung der EZLN „… für das Leben“, die sich „an die Pueblos der Welt“ und „and die Menschen, die in den fünf Kontinenten kämpfen richten. Hier wird festgestellt, dass
–          wir alle höchst unterschiedlich sind…
–          uns alles mögliche voneinander trennt, und
–          uns nur „sehr wenige Dinge“ vereinen.

zu diesem Wenigen  gehört,
–          dass „wir uns die Schmerzen der Erde zu eigen machen“
–          dass wir uns darüber *verständigen*, dass der Kapitalismus für diese Schmerzen verantwortlich ist
–          das Wissen, dass „es nicht möglich ist, dieses System zu
reformieren“
–          „die Verpflichtung: Zu kämpfen, überall und jederzeit“
–          „Die Gewissheit: Der Kampf für die Menschheit ist weltweit.“
–          „Die Überzeugung: Es sind viele Welten, die auf der Welt leben und kämpfen,“ und schließlich
–          „Die Erkenntnis,“ dass„das Hören und Sehen des Anderen“ uns voranbringt.

Auf dieser Grundlage wird beschlossen,
1) „Treffen, Gespräche, Austausch von Ideen, Erfahrungen, Analysen und Einschätzungen durchzuführen…“
2) Diese Treffen und Aktivitäten finden auf den fünf Kontinenten statt; dazu wird festgehalten: „Auf dem europäischen Kontinent werden sie [diese Treffen und Aktivitäten] in den Monaten Juli, August, September und Oktober 2021 umgesetzt – mit der direkten Beteiligung einer mexikanischen Delegation – bestehend
aus Congreso Nacional Indígena-Indigener Regierungsrat (CNI-CIG), der Frente de Pueblos en Defensa del Agua y de la Tierra de Morelos, Puebla y Tlaxcala [Zusammenschluss der Pueblos in Verteidigung von Wasser und Land in Morelos, Puebla und Tlaxcala] und der EZLN.“
3) Alle „einzuladen – die die gleichen Sorgen und ähnlichen Kämpfe
teilen“

Daran anschließend folgt eine enorme Liste von Gruppen, Kollektiven und Individuen, die diese „Erklärung … für das Leben“ unterstützen. Im Hinblick auf Österreich gibt es bisher (Stand 14.1.21) folgende Unterstützer*innen

Kinoki Asociación Autogestión Audiovisual
Colectivo Libertad
Comité de Solidaridad México-Salzburgo
Palästina Solidarität Steiermark
Steirische Friedensplattform
Mühle Nikitsch
Mobiler infoladen biblio>media:take!
Colectivo Acción Solidaria con México en Austria

Wer diese Erklärung ebenfalls unterstützen möchte, schickt seine/ihre Unterschrift an:

firmasporlavida@ezln.org.mx

Zur gesamten Erklärung geht es hier:
http://enlacezapatista.ezln.org.mx/2021/01/01/gemeinsame-erklarung-eines-teils-des-europas-von-unten-und-der-ezln/

(4) Der Auftrag / Das Wirtshaus

Zu Weihnachten setzt SubGaleano seine Erzählung fort und lässt Defensa Zapatista, ein 9-jähriges Mädchen, überlegen:

»Wenn wir bereits wissen, wo wir gehen wollen, heißt das, wir wissen
bereits, wo wir nicht gehen wollen. Somit werden wir uns mit jedem Schritt von einigen Orten entfernen und uns anderen nähern. Wir sind noch nicht angekommen, doch der Weg, den wir machen, wird uns bereits für das Ziel prägen. Wenn wir Tamales essen wollen, werden wir wohl keinen Kürbis säen.«
http://enlacezapatista.ezln.org.mx/2020/12/24/dritter-teil-der-auftrag/

Ende Dezember folgt schließlich  ein Ausflug in die Cantina „Die
Geschichte“ [der Welt], dort erfahren wir:
»Anstatt „*Die Geschichte/Die Historie“* müsste es „*Die Hysterie“*
heißen.« …
»Hier spielt die Realität wirklich keine Rolle. Was wichtig ist, ist die
gerade angesagte Mode.«

Die folgende Reflexion führt am Ende zur Entscheidung gegen einen Besuch in der besagten Kantine:
»Du kannst bleiben oder weiter gehen. Nur mach’ dich selbst verantwortlich für deine Entscheidung. Die Freiheit besteht nicht nur darin, zu entscheiden, was zu tun ist, und es dann zu machen. Sie besteht auch darin, sich selbst verantwortlich zu machen, für das, was getan wird und für die getroffene Entscheidung.«
http://enlacezapatista.ezln.org.mx/2020/12/30/zweiter-teil-das-wirtshaus/

(3) Erinnerung an das, was kommen wird

Am 18. Oktober nimmt der SubGaleano seine Überlegungen zur kommenden Weltreise wieder auf und lässt aus dem Mund des Alten Antonio die Mutter Erde sprechen:

»Die Einen gehen jetzt los, um den Invasoren zu verspotten. Die Anderen rufen die Geschwister herbei. Dass Euch nicht die Gewässer schrecken mögen, noch Kälte oder Hitze entmutigen. Eröffnet Wege, wo es bisher keine gab. Überwindet Flüsse und Meere. Überquert die Gebirge. Fliegt mit Regen und Wolken. Seid Nacht. Seid Tag. Von der Morgendämmerung geht aus und alarmiert Alle. Denn ich habe viele Namen und viele Farben, aber einig ist mein Herz und mein Tod wäre der Tod von allem.«


Don Durito de la Lacandona variiert einige Überlegungen von 1995:
»Es ist nicht notwendig, die Welt zu erobern; es reicht, sie erneut zu
schaffen. Nun gut. Wisst jedoch: Für die Liebe bedeutet ein Bett nur ein Vorwand; für den Tanz stellt eine Liedstrophe lediglich ein schmückendes Beiwerk dar; für das Kämpfen bedeutet Nationalität bloß ein Unfall der Umstände.«

In der anschließenden Fortsetzung der (haarsträubenden) Geschichte des zapatistischen Schiffsbaus  kommt es u.a. zu diesen Wortwechseln:
Jacobo: »Und weißt du, wieviele reisen werden?«
Der Sup: »Das Europa von unten hat noch nicht geantwortet, wieviele es empfangen kann…
Sie: Wir Frauen werden jedoch nicht per Schiff reisen sondern im Flugzeug, damit wir uns nicht übergeben müssen.
Der Sup: »Und wer hat Euch gesagt, dass Ihr im Flugzeug reist?«
Sie: »Na, wir Frauen.« …
Sie: Im Moment werden 111 Compañeras auf die Liste notiert, aber ich glaube, es fehlen noch die Fußball-Equipen der Milizionärinnen…
Somit – falls nur 111 Frauen reisen – macht das zusammen 55.500 Peso

Diese und (wie immer) noch viel mehr Überlegungen finden sich hier:
http://enlacezapatista.ezln.org.mx/2020/10/21/vierter-teil-erinnerung-an-das-was-kommen-wird/

(2) Der Blick und die Distanz

Am 10 Oktober beginnt der SubGaleano (die zapatistische Wiederauferstehung des verstorben SubMarcos) mit einer ganzen Reihe von Überlegungen im Hinblick auf mögliche Beweggründe und Möglichkeiten der künftigen Weltreise:

–  „Wenn Sie in jeden Winkel dieses sterbenden Planeten gehen könnten, was würden Sie tun? Nun gut, wir wissen es nicht. Jedoch wir – zapatische Frauen, Männer, AnderE – würden gehen, um zu lernen. Ja klar, auch um zu tanzen; aber ich glaube, eine Sache schließt nicht die andere aus.“


–  „Wenn es diese Gelegenheit, diese Möglichkeit gäbe, wären wir bereit, alles zu riskieren. Alles. Nicht nur unser individuelles Leben, sondern auch unser kollektives Leben. Und falls diese Möglichkeit nicht bestünde, würden wir dafür kämpfen: Das zu konstruieren – als ob es sich um ein Schiff handelt. Ja, ich weiß, es ist eine Verrücktheit. Etwas Undenkbares.“

–  „Oder sollten wir besser in die verschiedenen Europas einfallen – und unter dem Ruf: »Ergebt Euch, Bleich-Gesichter!« – den Parthenon, den Louvre und den Prado zerstören; und statt der (ausgestellten) Skulpturen und Gemälde, diese mit zapatistischem Stick-Werk anfüllen – insbesondere den zapatistischen Mund-Nasen-Schutz, der – nebenbei gesagt – sehr effektiv und hübsch ist?“

– „Jetzt sagen Sie mal: Glauben Sie, der Alptraum derer von Oben bestünde darin, dass sie gezwungen werden, um Vergebung zu bitten? Besteht deren Traum von schrecklichen Dingen nicht darin, zu verschwinden, unwichtig und unbeachtet zu sein, nichts zu sein, dass ihre Welt zusammenstürzt, ohne irgendeinen Lärm zu verursachen, keiner sich ihrer erinnert, ihnen Statuen und Museen errichtet, Lobgesänge und Gedenktage abhält? Wird es nicht so sein, dass diese mögliche Realität ihnen Panik verursacht?“

Und er schließt seine Überlegungen vorläufig damit ab:
„Salud! – Und dass wir nicht vergessen: Verzeihung und Gerechtigkeit sind nicht dasselbe.“ „Aus den Bergen der Alpen – noch zweifelnd, wo als erstes einzufallen ist:
Deutschland, Österreich, Schweiz, Frankreich, Italien, Slowenien, Monaco, Liechtenstein? Na nö, das ist ein Scherz. Oder?“

Das alles und eine haarsträubende Geschichte über den zapatistischen Versuch ein Schiff zur Überfahr nach Europa zu bauen, lässt sich hier
nachlesen:
http://enlacezapatista.ezln.org.mx/2020/10/12/funfter-teil-der-blick-und-die-distanz-zur-tur/

(1) Ein Berg auf hoher See

Am 5 Oktober 2020 informiert der Subcomandante Moises „die Netzwerke des Widerstandes und der Rebellion“ und „die ehrlichen Menschen, die an allen Ecken und Enden des Planten widerstehen“ darüber, dass die Zapatistas u.a. folgendes entschieden haben:


„Dass verschiedene zapatistische Delegationen, Männer, Frauen und
AndererE  der Farbe unserer Erde die Welt bereisen werden, wir werden gehen oder navigieren, hin zu weit entfernten Ländern, Meeren und Himmeln, wir werden keine Verschiedenartigkeit suchen, keine Überlegenheit, keine Konfrontation, noch viel weniger Vergebung und Mitleid.“

„Dass das erste Ziel dieser Planetenreise der europäische Kontinent sein wird“
„Dass wir in Richtung der europäischen Ländern navigieren werden. Dass wir aus mexikanischen Ländern abreisen und [..] 2021 in See stechen werden.“
„Dass wir nach dem Bereisen verschiedener Winkel Europas von unten und links am 13. August 2021 in Madrid ankommen werden, der Hauptstadt Spaniens
– 500 Jahre nach der angeblichen Eroberung dessen, was heute Mexiko ist. –
Und dass wir gleich danach den Weg fortsetzen werden.“

– dass „die zapatistischen Delegationen mehrheitlich aus Frauen bestehen werden.“
– dass die Zapatistas „den CNI-CIG [den indigenen Nationalkongress]
einladen, eine Delegation zu formieren, die uns begleiten wird und dadurch unser Wort reichhaltiger werden kann für das Andere, das weit weg kämpft.

– dass die Zapas „insbesondere eine Delegation jener Völker einladen, die den Namen, das Bild und das Blut des Bruders Samir Flores Soberanes [indigener Aktivist, Community-Radiomacher und Umweltschützer, der im Februar 2019 in Morelos ermordet wurde] hochhalten, damit ihr Schmerz, ihre Wut, ihr Kampf und ihr Widerstand weit fortgetragen werden.“
– und dass die Zapas „jene einladen, deren Berufung, Engagement und
Horizont die Künste und Wissenschaften sind, dass sie unsere Navigation und unsere Schritte aus der Ferne begleiten.“

Moises beendet die Erklärung damit: „Zusammenfassend: wir werden […] 2021 Richtung Europa abreisen. Datum und Uhrzeit? Das wissen wir nicht ……noch nicht.“


All diese Infos könnt ihr (neben vielen politischen Einschätzungen der Weltlage) hier nachlesen:
http://enlacezapatista.ezln.org.mx/2020/10/08/sechster-teil-ein-berg-auf-hoher-see/
Alsdann soviel erstmal von dem, was wir wissen von den Zaptistas, den „TrägerInnen des Virus des Widerstandes und der Rebellion.“

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